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Schwarzweissfotos kolorieren

Das kolorieren von Schwarzweissfotos ist eine sehr alte Technik. Angefangen hat es damit, dass man die "Farblosigkeit" der frühen Fotografien manuell korrigieren wollte. Als die Farbfotografie noch nicht verbreitet war, musste man manuell nachhelfen, um ein farbiges Bild auf fotografischer Basis zu erhalten. Diese frühen Kolorationen sind oft handwerklich sehr gut ausgeführt worden und bei manchen Bildern muss man wirklich zweimal hinschauen, bevor man die Handkolorierung entdeckt.

Mich faszinierte an diesen alten, handkolorierten Bildern schon immer der fließende Übergang zwischen objektiver Fotografie und subjektivem, künstlerischen Handwerk. Im Grunde genommen sind diese frühen Retuschen und Kolorierungen die ersten manipulativen Eingriffe zur Veränderung von Bildern, die heute in den schier unendlichen Möglichkeiten von Photoshop & Co. gipfeln.

Zum Kolorieren von SW-Fotos eignen sich am besten Eiweiß-Lasurfarben, die es entgegen vielen Gerüchten immer noch zu kaufen gibt (siehe Links am Ende des Artikels). Mit ein paar Grundfarben und evtl. einem oder zwei Hauttönen kann man schon anfangen zu experimentieren. Die Farben sind sehr ergiebig, man braucht nur sehr, sehr wenig Farbe, die dann mit Wasser verdünnt wird. Pur sind die Farben viel zu intensiv und die Farbtöne und Flächen lassen sich nicht steuern.

Man sollte sich gute Pinsel beschaffen - einen sehr feinen für die Details, einen mittleren und einen etwas größeren. Als Palette zum Verdünnen und Mischen der Farben eignet sich ein alter Glasteller, den man auf einen weißen Untergrund stellen kann.

Eiweiß-Lasurfarben sind - wie der Name schon sagt - lasierend. Das bedeutet, sie decken nicht ab und können auch dunkle Bereiche nicht aufhellen. Daher sollten die Abzüge, die koloriert werden sollen, nach Möglichkeit etwas heller und etwas kontrastreicher sein als normale SW-Abzüge. Durch das Kolorieren wirken die Bilder später etwas dunkler und sie gewinnen Halbtöne hinzu - das kann man durch entsprechendes Ausgangsmaterial steuern und ausgleichen.

Da sich die lasierende Farbe ja durch den Auftrag von mehreren Schichten immer weiter intensivieren lässt ist es ratsam, mit einem Auftrag von viel Wasser und wenig Farbe zu beginnen. Farbe hinzufügen geht immer - wenn man aber einmal zuviel aufgetragen hat, ist das nicht mehr korrigierbar. Irgendwie muss man ein Gefühl dafür entwickeln, wann der richtige Moment zum Aufhören gekommen ist. Es ist oft besser, die einzelnen Farben nacheinander aufzutragen und gerade bei angrenzenden Bereichen zwischendurch Trocknungszeiten einzulegen. So kann man einen bestimmten Bereich zunächst mit einer passgenauen "Wasserpfütze" versehen, und dann in einer Technik wie beim Aquarellieren die verdünnte Farbe Stück für Stück einbringen. Vorteil: in der Wasserpfütze" verteilt sich die Farbe gut und der Farbauftrag wird gleichmässig ohne Pinselstriche.
Wenn die Fläche dann getrocknet ist, kann man den angrenzenden Bereich mit der gleichen Technik bearbeiten - dann kann nichts verlaufen!

Viele Fotopapiere lassen sich noch besser kolorieren, wenn die Fotoschicht feucht ist. So vermeidet man harte "Eintrockenränder" und der Farbauftrag in den Flächen wird viel gleichmässiger. Am besten arbeitet man in einer Art "Aquarelltechnik" - vorsichtig, mit Geduld und am Anfang am besten auf Kunststoff- (PE)- Papieren. Baryt-Abzüge zu kolorieren ist schwieriger. Das macht man am besten, wenn die Abzüge noch feucht sind, aber ohne Tropfen. Dann ein altes Küchenhandtuch o.ä. drauflegen und in der Trockenpresse matt trocknen. Bei einer Hochglanztrocknung könnten Farbränder entstehen oder die Farben leicht verfließen, da die Bilder ja nass und mit der Bildseite auf die Hochglanzfolie "aufgequetscht" werden müssen.

Bei meinen Kolorierarbeiten arbeite ich gelegentlich mit einer Airbrush - das ist eine sehr brauchbare Technik für z.B. Himmel oder gleichmässige Flächen. Bei unregelmässigen Flächen oder Flächen mit Struktur würde ich eher empfehlen, die betreffende Stelle zunächst mit klarem Wasser nass zu machen und dann die (verdünnte) Farbe mit einem Wattebausch aufzutragen. Das lässt die Farbflächen lebendiger wirken und spart das teilweise aufwendige Abkleben (maskieren).
Zum Abkleben beim Airbrushen kann man übrigens ganz preiswerte Buch-Einbinde-Folie benutzen, die man im Schreibwarenhandel bekommt. Aber Achtung: das funktioniert nur mit PE-Papieren, für Baryt-Abzüge klebt diese Folie zu stark. Da muss man auf sog. "Frisk-Film" aus dem professionellen Grafikbedarf ausweichen. Der klebt nur ganz leicht, lässt sich sauber ablösen - kostet aber leider einen Haufen Geld.

Es macht auch Sinn, die Klebefolie nur dort zu verwenden, wo man tatsächlich mit dem Skalpell freistellen muss. (z.B. die Horizontlinie) - den Rest des Bildes deckt man dann mit Altpapier ab, was man ein Stück unter die Klebefolie schiebt und so befestigt.

Airbrushes und Zubehör werden zur Zeit für wenig Geld in den Internet-Ausktionsportalen verschleudert, da kann man gute Schnäppchen machen. Man sollte sich für die Kolorierarbeiten einen kleinen Airbrush-Kompressor kaufen - das funktioniert besser als die großen Baumarktkompressoren und macht nicht so viel Lärm.
Wichtig ist, dass zwischen Kompressor und Luftschlauch zur Spritzpistole ein Wasserabscheider sitzt! (Kann man für kleines Geld nachrüsten)
Ich benutze Spritzpistolen von IWATA oder PAASCHE. Ich benutze für die Airbrusharbeiten auf den Bildern die gleichen Eiweiß-Lasurfarben, wie auch bei der Pinseltechnik. Verdünnung, Druck und Farbmenge muss man austesten, ist auch abhängig von der Kombination Kompressor / Spritzpistole.
Wenn man mit deckenden Farben arbeiten möchte, empfehlen sich sog. Guache-Farben z.B. von der Firma Schmincke. Hier aber aufpassen: die Qualität muss hoch sein und am besten sollten die Farben den Zusatz "Aero" oder ähnlich tragen - d.H. für Airbrush geeignet sein. Ungeeignete Farben verstopfen durch zu große Partikel die Düse der Spritzpistole.

Ich versuche immer, die Airbrush-Arbeiten auf der Terrasse zu machen, denn es fliegen dabei eine Menge Farbpartikel in der Gegend herum. Die Technik Ist eher was für den Bastelkeller als für den Wohnzimmertisch ;)

Ein paar "Basics" zum manuellen kolorieren habe ich vor einiger Zeit mal in einem kuzen Video zusammengefasst:

Hier ein paar Links zu Bezugsquellen für die benötigten Eiweiß-Lasurfarben:

Künstler-Magazin, Berlin, Prenzlauer Berg

Artservice - Tube / Köln - Düsseldorf - Hamburg

monochrom - shop

spiegel online kolorieren 350px   Hier ein interessanter Artikel aus Spiegel Online über das nachträgliche Kolorieren von alten Schwarzweiss-Aufnahmen. Das "Neukolorieren" von historischen SW-Bildern ermöglicht manchen Betrachtern ja einen einfacheren Zugang zu den historischen Situationen, einige Historiker kritisieren aber die dadurch mögliche Verfälschung von geschichtlichen Bilddokumenten.

Hier ein interessantes Video über eine professionelle Foto-Koloriererin und ihre Arbeit:

The Colourist from Loading Docs on Vimeo.

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Bilder und Text © Dan Hummel - Kopie und Abdruck nur mit Genehmigung.

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